Herr und Frau Schweizer mögen es, ihre Grund- und Zusatzversicherung bei derselben Krankenkasse zu haben. Doch ist das wirklich die beste Lösung? Wer sie trennt, kann oft viel Geld sparen und gleichzeitig seinen Versicherungsschutz gezielter auf die eigenen Bedürfnisse abstimmen.
Tipp: Mit unserem Krankenkassen-Check findest Du heraus, ob Deine aktuellen Versicherungen zu Deinen Bedürfnissen passt und wo Du Prämien sparen kannst.
Auf den ersten Blick erscheint es praktisch, sämtliche Krankenversicherungen bei einem einzigen Anbieter abzuschliessen. Eine Ansprechperson, eine gemeinsame Übersicht und möglichst wenig administrativer Aufwand. Doch hinter der Grundversicherung und der Zusatzversicherung stecken zwei unterschiedliche Versicherungssysteme.
Die obligatorische Grundversicherung ist in der Schweiz gesetzlich vorgeschrieben und wird durch das Krankenversicherungsgesetz (KVG) geregelt. Sie übernimmt medizinisch notwendige Leistungen im gesetzlich festgelegten Umfang. Unabhängig davon, bei welcher Krankenkasse Du versichert bist, hast Du grundsätzlich Anspruch auf dieselben gesetzlichen Leistungen. Unterschiede bestehen insbesondere bei den Prämien, Versicherungsmodellen und beim Kundenservice.
Die freiwillige Zusatzversicherung untersteht hingegen dem Versicherungsvertragsgesetz (VVG). Sie kann Leistungen abdecken, die über die Grundversicherung hinausgehen. Dazu gehören beispielsweise Beiträge an Brillen, bestimmte Zahnbehandlungen, alternative Heilmethoden oder zusätzlicher Komfort bei einem Spitalaufenthalt.
Entscheidend ist: Beide Versicherungen sind rechtlich eigenständige Verträge. Du musst sie deshalb nicht zwingend beim selben Anbieter abschliessen
Wer Grund- und Zusatzversicherung kombiniert abschliesst, entscheidet sich häufig für eine bequeme Gesamtlösung. Allerdings ist eine Krankenkasse mit einer günstigen Grundversicherung nicht automatisch auch bei den Zusatzversicherungen besonders attraktiv.
Mit einer Trennung, auch Splitting genannt, kannst Du die Angebote unabhängig voneinander vergleichen. So lässt sich beispielsweise eine preiswerte Grundversicherung mit einer Zusatzversicherung kombinieren, die genau jene Leistungen bietet, die Dir wichtig sind.
Gerade bei Familien lohnt sich diese Betrachtung. Denn bereits kleinere monatliche Prämienunterschiede können sich über mehrere Familienmitglieder zu einem beachtlichen Jahresbetrag summieren.
Ein vereinfachtes Rechenbeispiel: Spart eine vierköpfige Familie durch eine passende Kombination durchschnittlich CHF 20 pro Person und Monat, ergibt das eine jährliche Ersparnis von CHF 960. Dieser Betrag ist rein illustrativ und keine garantierte Einsparung.
Das freiwerdende Budget könnte beispielsweise in den Vermögensaufbau, die Vorsorgeplanung oder die Ferienkasse fliessen.
Bei der Zusatzversicherung sollte nicht allein die Prämie entscheiden. Anders als bei der Grundversicherung können Versicherer ihre Leistungen und Bedingungen unterschiedlich ausgestalten.
Eine Zusatzversicherung mit einer tiefen Prämie bringt wenig, wenn wichtige Leistungen fehlen oder die Rückerstattungsgrenzen zu niedrig angesetzt sind.
Besonders für Familien lohnt es sich folgende Fragen zu klären: Werden gewünschte Zahnbehandlungen für Kinder unterstützt? Welche Leistungen sind bei einem Spitalaufenthalt versichert? Wie sieht der Schutz bei Auslandreisen aus? Und gibt es Beiträge an Sehhilfen und sportlichen Aktivitäten (nicht nur Fitness)?
Nicht jede Zusatzleistung ist für jeden Haushalt gleich wichtig. Deshalb sollte der Versicherungsschutz zu Deiner Lebenssituation passen und nicht einfach möglichst umfangreich sein.
Eine persönliche Krankenkassenplanung berücksichtigt dabei nicht nur die laufenden Kosten, sondern auch mögliche finanzielle Risiken. Ziel ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Prämienhöhe und sinnvoller Absicherung.
Eine Trennung von Grund- und Zusatzversicherung bringt zusätzliche administrative Aufgaben mit sich. Statt einer Krankenkasse hast Du möglicherweise zwei Ansprechpartner, unterschiedliche Kundenportale und separate Abrechnungen.
Bei bestimmten Behandlungen kann es zudem notwendig sein, Rechnungen bei beiden Versicherern einzureichen. Die Zusatzversicherung benötigt unter Umständen zuerst die Leistungsabrechnung der Grundversicherung, bevor sie ihren Anteil übernimmt.
Ein weiterer Punkt sind mögliche administrative Zuschläge. Einzelne Anbieter können höhere Zusatzversicherungsprämien verlangen, wenn die Grundversicherung bei einer anderen Krankenkasse abgeschlossen wird.
Solche Mehrkosten sollten unbedingt in den Vergleich einfliessen. Denn eine vermeintlich günstigere Kombination kann dadurch weniger attraktiv werden.
Wer möglichst wenig Verwaltungsaufwand möchte, kann mit einer gemeinsamen Lösung weiterhin gut bedient sein. Entscheidend ist, ob die finanziellen und versicherungstechnischen Vorteile den zusätzlichen Aufwand rechtfertigen.
Ein besonders wichtiger Vorteil des Splittings wird häufig unterschätzt: Du kannst Deine Grundversicherung wechseln, ohne Deine bestehende Zusatzversicherung aufzugeben.
Das ist beispielsweise interessant, wenn Du seit vielen Jahren eine Zusatzversicherung besitzt, die heute nur noch schwer zu vergleichbaren Bedingungen erhältlich wäre.
Bei der Grundversicherung gilt eine gesetzliche Aufnahmepflicht. Krankenkassen müssen Dich unabhängig von Deinem Alter und Gesundheitszustand aufnehmen. Bei Zusatzversicherungen ist das anders: Versicherer dürfen Gesundheitsfragen stellen, Anträge ablehnen oder bestimmte Erkrankungen vom Versicherungsschutz ausschliessen.
Eine bestehende Zusatzversicherung kann deshalb besonders wertvoll sein. Wenn Du lediglich Deine Grundversicherung wechselst, darf Dir der bisherige Versicherer die Zusatzversicherung nicht allein deswegen kündigen.
Wichtig: Gib einen bestehenden Zusatzversicherungsschutz niemals leichtfertig auf. Eine spätere Wiederaufnahme zu denselben Bedingungen ist nicht garantiert.
Möchtest Du Deine Grundversicherung auf Anfang des kommenden Jahres wechseln, muss Deine Kündigung grundsätzlich spätestens am 30. November bei Deiner bisherigen Krankenkasse eintreffen. Entscheidend ist das Eingangsdatum, nicht der Poststempel. Fällt der Stichtag auf einen arbeitsfreien Tag, solltest Du die Kündigung entsprechend früher zustellen.
Bei Zusatzversicherungen gelten andere Regeln. Häufig beträgt die Kündigungsfrist drei Monate auf Ende des Versicherungsjahres. Je nach Vertrag können jedoch andere Termine und Laufzeiten gelten. Auch ein ausserordentliches Kündigungsrecht bei einer Prämienanpassung hängt von den konkreten Bedingungen ab.
Prüfe deshalb immer Deine Vertragsunterlagen, bevor Du einen Wechsel einleitest.
Für die Grundversicherung kannst Du grundsätzlich jährlich einen neuen Anbieter wählen. Bei Zusatzversicherungen empfiehlt es sich hingegen, langfristiger zu planen und die Aufnahmebedingungen sorgfältig zu prüfen.
Die günstigste Prämie ist nicht zwangsläufig die wirtschaftlich beste Lösung. Eine höhere Franchise kann beispielsweise die monatlichen Kosten reduzieren, gleichzeitig aber Deine finanzielle Beteiligung im Krankheitsfall erhöhen.
Auch bei Zusatzversicherungen ist es wichtig, Leistungen und Ausschlüsse richtig einzuordnen. Gerade bei mehreren Familienmitgliedern wird der Vergleich schnell unübersichtlich.
Eine unabhängige Finanzberatung kann helfen, die verschiedenen Möglichkeiten strukturiert zu beurteilen. Unser Krankenkassen-Check betrachtet Deine bestehende Grund- und Zusatzversicherung, prüft Deinen individuellen Bedarf und zeigt mögliche Verbesserungen auf.
Denn eine ganzheitliche Krankenkassenberatung sollte nicht nur einzelne Versicherungsprämien optimieren, sondern auch berücksichtigen, wie viel finanziellen Spielraum Du für andere Lebensziele benötigst.
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Grund- und Zusatzversicherung bei unterschiedlichen Anbietern abzuschliessen, kann finanziell sinnvoll sein. Entscheidend ist jedoch nicht die Anzahl Deiner Versicherer, sondern dass Du für Deine persönlichen Bedürfnisse gut abgesichert bist und nicht unnötig viel bezahlst.
Entdecke mit unserem Krankenkassen-Check Dein individuelles Sparpotenzial und finde heraus, welche Versicherungslösung wirklich zu Dir und Deiner Familie passt.
Blogartikel von Alessia Raemy